Der wahre Grund für die hohen Energiepreise

Quelle: Österr. Biomasse Verband |
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Der wahre Grund für die hohen Energiepreise liegt darin, daß die Energiereserven weltweit langsam aber sicher zu Ende gehen. |
Der Anfang vom Ende des billigen Erdöls
Hunderttausende Menschen in Europa ärgern sich in diesen Wochen über die enorm hohen Heizkosten. Diese sind dramatisch gestiegen, und betragen bereits zwischen 1100 bis 1500,- Euro und darüber für ein Einfamilienhaus pro Jahr.
Der Ölpreis ist am Weltmarkt binnen 18 Monaten um das Dreifache gestiegen. Der Preis richtet sich nach dem aktuellen Stand von Angebot und Nachfrage.
Der derzeitige Ölpreis ist allerdings keine einmalige Marktstörung, die bald wieder vorbeigeht, sondern der Anfang vom Ende des billigen Öls – oder noch deutlicher formuliert: der Anfang vom Ende des Erdölzeitalters.
Das Erdöl-Fachblatt "Middle East Economic Suvey“ (MEES) analysiert, daß hinter der Preiskrise vielmehr die Sorge stecke, daß die weltweiten Produktionsreserven einen gefährlichen Tiefpunkt erreicht hätten.
Langfristig bleiben Öl und Gas teurer.
Alle wichtigen Förderregionen außerhalb des Nahen Ostens haben das Produktionsmaximum bereits überschritten. Aber auch der Nahe Osten kann die anderorts rückläufige Ölproduktion nicht vollständig ausgleichen, sodaß die weltweite Erdölproduktion schon bald zurückgehen wird. Öl und Gas sind keine NAWAROs (nachwachsende Rohstoffe), das heißt, sie „wachsen“ nicht nach. Mit Sicherheit ist damit zu rechnen, daß der durchschnittliche Ölpreis in den nächsten zehn Jahren deutlich höher liegen wird, als in der Vergangenheit.
Öl bleibt in der Zukunft aus diesen genannten Gründen teuer!
Erdölreserven - Eine Analyse
Für die langfristige Entwicklung des Ölpreises ist nicht die Reservemenge des Öls entscheidend, sondern der Zeitpunkt ab dem die Ölproduktion nicht mehr erhöht werden kann. Wenn dieser Punkt erreicht ist, wird es zu drastischen (Preis-) Reaktionen am Ölmarkt kommen.
Was sind Reserven?
In der öffentlichen Diskussion werden meist Statistiken von Erdölproduzenten (BP Amoco, Exxon/Esso (Öldorado) und anderen) benutzt. Diese Statistiken deren statistische Grundlage, die Fachzeitschrift „Oil & Gas Journal“ ist, haben jedoch keine klaren begrifflichen Definitionen dessen, was mit „Reserven“ gemeint ist.
Klare Datenbasis - die Industriedatenbank
Ein wesentlich besseres Bild erhält man, wenn man die Industrie-Datenbank als Grundlage der Analysen nimmt. Dies ist die größte existierende Datenbank über Ölfelder. In dieser Datenbank sind mehr als 10.000 Ölfelder erfaßt und wird von der Ölbranche für ihre eigenen Analysen intensiv genutzt. Dort wird jeder Neufund mit der von den Geologen vermuteten Größe des noch vorhandenen und des ursprünglichen Inhaltes eingetragen.
Was hat man bisher gefunden?
Die großen Ölfelder wurden immer in der Frühphase der Exploration einer bestimmten Region gefunden. So kennt man heute etwa 42.000 Ölfelder, aber bereits in 1% dieser Felder sind 75% des bisher gefundenen Erdöls enthalten. Die meisten dieser 400 größten Felder wurden vor mehr als 30 Jahren entdeckt. Alle großen Ölprovinzen, außer der Nordsee und Alaska, wurden bereits vor mehr als 50 Jahren gefunden. Weltweit war das Maximum der Neufunde in den 60er Jahren erreicht. Danach fand man tendenziell immer weniger Öl. Auch die verstärkten Explorationsbemühungen Anfang der 80er Jahre, ausgelöst durch die vorangegangenen Ölpreisschocks, konnten den Trend der geringer werdenden Funde kaum beeinflussen.
Wichtig sind nicht die Reserven sondern die Verfügbarkeit von Erdöl
Die jeweilige aktuelle Verfügbarkeit von Erdöl wird von den Produktionsmöglichkeiten und damit insbesondere vom Produktionsmaximum bestimmt. Reserven/Produktions Angaben sagen nichts über die aktuelle Verfügbarkeit.
Glockenkurve und Produktionsmaximum
Die Ölproduktion eines Feldes folgt dem Verlauf einer Glockenkurve. In der Frühphase kann die Produktion durch den Zubau von Förderanlagen erhöht werden. Ungefähr wenn die Hälfte des Reservoirs entnommen ist, ist der Druck so stark abgesunken, daß die Zähigkeit des Öls überwiegt. Mit jedem weiteren entnommenen Barrel Öl wird der Druck weiter reduziert – die Produktionsrate nimmt tendenziell nur noch ab. In gewissem Umfang kann man den Druck künstlich erhöhen, dafür aber wird das Reservoir schneller entleert. Im offshore Bereich (am offenen Meer) mit den hohen Betriebskosten versucht man ein Produktionsplateau so lange als möglich zu halten. Danach sinkt die Produktion sehr rasch ab.
Der charakteristische glockenförmige Verlauf der Förderung über der Zeit eines einzelnen Ölfeldes gilt auch für ganze Gruppen von Ölfeldern. Die Überlagerung von Glockenkurven in jeweils verschiedenen Stadien führt trotzdem wieder in Summe zu einer Glockenkurve. Dabei wird der „peak“ (Höhepunkt der Fördermenge) der Kurve ungefähr dann erreicht, wenn die Hälfte des vorhandenen Öls gefördert ist.
Die Verfügbarkeit des Öls bestimmt dessen Preis
Insbesondere gilt dieser Zusammenhang auch für den Verlauf der Weltölförderung. Für die Versorgung der Welt mit Öl sowie für die Preisbildung auf den Märkten ist die jeweils aktuell verfügbare Menge entscheidend, also gegenwärtig die aktuelle Weltölförderung von ca. 76 Mio. Barrel pro Tag. Entscheidend für die künftige Entwicklung ist, ob im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren die Förderung weiter ausgeweitet werden kann, an eine obere Grenze stößt oder gar abnimmt.
Wann kommt der Wendepunkt?
Dieser qualitative Zusammenhang ist kaum strittig, kontrovers ist nur die Frage, wann weltweit der Wendepunkt erreicht werden wird. Diese Frage ist auch nur deswegen strittig, weil über die Produktionsmöglichkeiten einiger entscheidender Regionen, die noch über vergleichsweise große Reserven verfügen, keine objektiven Informationen vorliegen. Für eine Reihe wichtiger Gebiete auf der Welt sind diese Informationen aber sehr wohl vorhanden. Eine Analyse der Produktionsdaten der Gebiete, für die einigermaßen verläßliche Daten vorliegen, zeigt bereits, dass wir dem weltweiten Produktionsmaximum sehr nahe sind.
Entscheidend für strukturelle Änderungen ist nicht die (statische oder dynamische) Reichweite der Reserven, also „wie lange reicht das gefundene Öl bei vorgegebener jährlicher Förderquote?“ sondern einzig der Zeitpunkt, ab dem die Ölproduktion nicht mehr erhöht werden kann, sondern tendenziell nur noch abnimmt. Der Übergang von tendenziell zunehmender zu tendenziell abnehmender Produktion ist der Zeitpunkt, an dem die Endlichkeit der Ressourcen sich auch auf den Märkten spiegelt. Dies wird zu einer breiten und dauerhaften Veränderung des Investitionsverhaltens führen, weg vom Öl und hin zu den möglichen Alternativen der Energieversorgung. Das Erreichen des weltweiten Fördermaximums ist der richtige Indikator für kommende Strukturbrüche und nicht die Reichweite von Ölreserven.
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